Schnitt
Kaum ein Schnittmuster ist so charakteristisch wie das der Krawatte. Wer sich den klassischen Langbinder einmal genauer anschaut, kann schnell erkennen, dass er aus drei separaten Stoffteilen besteht, die mit feinsten Stichen aneinander genäht wurden. Aber auch im Inneren verbirgt die Krawatte noch so manches.
Während die historischen Vorgänger der heutigen Krawatte noch aus einem einzigen, durchgehenden Stück Stoff gefertigt wurden, entwickelte Jesse Langsdorf im New York der 1920er Jahre den auch heute noch verwendeten dreiteiligen Krawattenschnitt. Diese Schnitttechnik hat den Vorteil, dass die Krawatte dauerhaft gut in Form bleibt, weil sich der durch das Knoten bedingte oftmals starke Zug hervorragend auf das feine Gewebe verteilen kann.
Aber besteht die Krawatte nur aus dem sichtbaren Stoff? Nein, in ihrem Inneren verbirgt sie ein Futter und eine Einlage – auch Inlett genannt – die in den meisten Fällen aus Temperatur ausgleichender Wolle besteht. Sie gibt der Krawatte Volumen und Stabilität und bietet dem feinen Oberstoff eine perfekte Basis.
Charakteristisch für den Schnitt einer Krawatte und die traditionelle Verarbeitung sind auch die offenen und von hinten einsehbaren Enden. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich die Krawatte beim Binden verzieht und unschöne Falten wirft.
Ob die Krawatte von Hand gefertigt und genäht wurde kann geprüft werden, indem an der Rückseite vorsichtig an den Nähten gezogen wird. Ist die Naht elastisch, handelt es sich um Handarbeit, feste und unelastische Nähte weisen auf eine maschinelle Fertigung hin.
Das Handwerk des Krawattenmachers üben heutzutage nur noch wenige Menschen aus. Bis die Kunst beherrscht wird, eine perfekte Krawatte zu fertigen, ist oftmals eine langjährige und intensive Ausbildung erforderlich – denn eine Krawatte ist eben etwas ganz Besonderes.